Die Lütolf auf der Mühle Mehlsecken

Familie Lütolf von LangnauAls 1643 die Grossmühle Mehlsecken in Öffentlicher Versteigerung angeboten wurde, bewarb sich auch Kaspar, allerdings ohne Erfolg. Dennoch gab er den Gedanken an diese Mühle nicht auf. Als sie 1650 wiederum versteigert werden musste, kämpfte er erneut um ihren Besitz und bot tatsächlich den höchsten Preis, den in dieser Zeit eine Mühle je erzielt hat, nämlich 14 500 Gulden. Zwei Monate später hat er seine Buchser Mühle verkauft. Weil der dortige Käufer kein ausgebildeter Müller war, arbeitete Kaspars ältester Sohn Andres noch vierzehn Jahre lang als Müllerknecht in Buchs. Kaspar selbst zog mit seiner übrigen Familie nach Mehlsecken. Dem Spitznamen «Käch», was frisch, unternehmungs-, lebenslustig bedeutet, machte er bis an sein Lebensende alle Ehre. Er liess sich vom Tod seiner Ehefrauen nicht brechen; übers Jahr hat er nach der Gepflogenheit der Zeit stets wieder geheiratet. Noch im Alter musste er sich sogar für fortgesetzten Ehebruch verantworten. 1665 kaufte er die Mühle Pfaffnau und setzte dort seinen Zweitältesten Sohn Niklaus ein, der bisher in Mehlsecken neben dem Vater gearbeitet hatte und seinerseits schon Vater von drei Kindern war. Bereits im Jahr darauf starb Kaspar Lütolf unerwartet. Die Mühle Pfaffnau ging in den Besitz von Niklaus über; Mehlsecken hingegen fiel an den vermutlich wesentlich jüngeren Sohn Jakob. Er führte den Betrieb — was eher selten vorkam — noch acht Jahre lang als lediger Mann, vielleicht zusammen mit weiteren Geschwistern, und heiratete erst 1674. Seine Nachkommen hielten sich auf dieser Mühle bis ins 19. Jahrhundert. Niklaus Lütolf auf der Mühle Pfaffnau starb noch in jungen Jahren schon 1673. Die Witwe Margaret Gut konnte das Erbe für ihre Söhne und Töchter bewahren. Von acht Kindern überlebten vier, die sich erst 1692 zu einer Erbteilung entschlossen. Der älteste Sohn Hans Kaspar kaufte seinen Bruder Jakob und die beiden Schwestern aus. Jakob liess sich noch im gleichen Jahr als Müllerknecht in Mehlsecken nieder. Hans Kaspars Liederlichkeit und fehlender Fleiss hingegen brachten die Mühle Pfaffnau herunter, so dass sie nach seinem Tod — vermutlich starb er ohne überlebende Kinder — veräussert wurde.

Hier eine „Lütolf- Anekdote“ aus dieser Zeit:
Jakob Lütolf von Mehlsecken wurde 1669 zweimal Vater von illegitimen Töchtern (Kirchenbücher Reiden). Im selben Jahr büsste man ihn mit 20 Gulden, weil er einem Mädchen die Ehe versprochen, mit ihm geschlafen, hernach aber „mit ir abgemacht“ hatte (Landvogteirechnung Willisau).

Lütolf von Triengen page 1
1849 erwarb der Schwiegersohn und Bäckermeister Josef Arnold die Mühle-Liegenschaft an einer Steigerung und verkaufte sie schon im folgenden Jahr mit hohem Profit an den Schweinehändler Josef Bucher aus Schötz weiter. Der Verkauf machte Arnold, der in Langnau die Ämter des Gemeindeammans und -präsidenten innehatte, zum weitaus reichsten Langnauer. Josef Bucher liess 1858 das aus Holz erbaute Mühlengebäude abbrechen und ersetzte es durch einen Steinbau. 1886-1890 war die Mühle dem eidgenössischen Fabrikregister unterstellt, weil sie mehr als zwei Arbeiter (ohne Familienmitglieder) beschäftigte. Doch 1890 musste Hermann Bucher den Getreidehandel aufgeben und Arbeiter entlassen. 1899 verkaufte er die Liegenschaft an Theodor Häfliger von Zofingen. Dieser liess die Mühle in der Folge zu einer Webfabrik umbauen.